Dokumentarfilmschule DOK.EDUCATION 2018

München, 3.5.2018 — 14.5.2018
© DOK.fest München
Maya Reichert, Florian Baron, Kim Brand, Susan Koenen, Yvonne Rüchel, Florian Geierstanger, Sarina Lacaf, Ysabel Fantou
In partizipativen Workshops, die im Rahmen der Dokumentarfilmschule von DOK.education 2018 stattfanden, sichteten und analysierten Kinder und Jugendliche im Alter von 6–18 Jahren, angeleitet durch professionelle Medienpädagog* innen und in Anwesenheit der jeweiligen Filmemacher*innen, die künstlerischen Dokumentarfilme JOE BOOTS, HELLO SALAAM und AHMADS HAARE, die von Flucht, Solidarität und seelischer Erkrankung handeln. Im Rahmen von acht Workshop- Durchläufen und über 40 Einzelworkshops, die STADTKULTUR bezuschusste, wurden in München und Würzburg insgesamt 1326 Kinder beteiligt.

Partizipative Workshops:
In den Workshops eigneten sich die Schüler* innen Fachwissen zu den unten stehenden Filminhalten an und lernten zeitgleich das Sehen von Filmen zu differenzieren.
Bevor sie den für ihre Altersgruppe passenden Film sichteten, erhielten sie sog. kreative Sehaufgaben, die sie im Anschluss an die Sichtung in Gruppen bearbeiten und in einem kleinen kreativen Vortrag präsentieren sollten. Die Teilnehmenden wurden aufgefordert, je nach Schwerpunkt verstärkt auf Musik, Ton, Kameraführung, Bildeinstellung und Bildfarben, Haupt- und Nebenfiguren, Montage oder Dramaturgie des Films zu achten.
Die kreativen Sehaufgaben sahen beispielsweise wie folgt aus: „Wann hörst du im Film das erste Mal Musik?“, „Welche Stimmung entsteht durch Musik?“, „Beschreibe die erste Minute des Films“, „Wie würdest du den Rhythmus des Filmschnitts insgesamt beschreiben?“, „Wann hörst du im Film das erste Mal eine Person sprechen? Welches Bild siehst du dazu?“, „Beschreibe die Farben der Filmbilder. Sind es eher kräftige oder eher blasse, entsättigte Farben?“.
Diese Methodik dient der vertiefenden und zugleich sinnlichen Analyse und einer differenzierten Lesart von Film, die die Schüler*- innen im beschriebenen Setting selbst mitgestalteten.

Folgende Filme waren im Jahr 2018 Teil der Dokumentarfilmschule:

AHMADS HAARE (für Grundschule)
Ahmad ist mit seinen Eltern und jüngeren Geschwistern aus Syrien geflüchtet und gerade erst in den Niederlanden angekommen. Sein sehnlichster Wunsch ist es, hier endlich Freunde und ein neues Zuhause zu finden. Um sich für seine herzliche Aufnahme zu bedanken und etwas zurückzugeben, hat der 12-Jährige eine Mission, bei der seine ganze Geduld gefragt ist: Er will seine Haare lang wachsen lassen, um sie für kranke Kinder zu spenden.

HELLO SALAAM (für Unterstufe)
So viele angespülte Rettungsjacken und Boote haben die Freunde Sil und Merlijn aus Holland noch nie gesehen. Während der Schulferien sind die beiden 11-Jährigen zu Besuch in einem Flüchtlingscamp auf der griechischen Insel Lesbos, wo sich ihre Mütter als ehrenamtliche Helferinnen engagieren. Schon bei der ersten Begegnung an der Essensausgabe stoßen die Jungen auf erste Verständigungshürden. Doch mit improvisiertem Englisch und dem Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone gelingt es, die Sprachbarrieren zu überwinden und erste Kontakte zu knüpfen. Dabei wird ihnen nach und nach bewusst, was es bedeutet, aus dem eigenen Land fliehen und Freunde und Angehörige zurücklassen zu müssen.

JOE BOOTS (für Mittel- und Oberstufe)
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 waren für viele amerikanische Jugendliche ein Anlass, ihr Leben neu auszurichten und die von der Politik geschürte Faszination für Panzer und Waffen auszuleben. Im kurzen künstlerischen Dokumentarfilm JOE BOOTS blickt Joe zurück auf seine Entscheidung, die Schule zu verlassen, um sich dem Militär anzuschließen. Ganz offen erzählt er von seinem Trauma: Nach der Rückkehr aus dem Irakkrieg verliert er die Kontrolle über sein Leben und sucht zunächst vergeblich nach Hilfe. Denn seine Wunden sind unsichtbar.

Die Schüler*innen erhielten in diesem Projekt, neben der Sensibilisierung für das differenzierte Sichten von Filmen, verstärkt Bewusstsein darüber, dass schwere Situationen im Leben Menschen häufig vor allem seelisch beeinträchtigen und wie wichtig es ist, in diesen Momenten solidarisch zu handeln.

Das Projekt wurde in Kooperation mit folgenden Schulen und Schüler*innen aller Jahrgangstufen umgesetzt:
München – GS an der Bazeillesstraße, GS an der Haimhauserstraße, Luise-Kiesselbach-Grundschule, GS an der Pfeufferstraße, Sinai-Ganztages-Grundschule, GS an der Schwindstraße, GS am Theodor-Heuss-Platz, GS Wilhelmstraße, Albert-Einstein-Gymnasium, Erasmus-Grasser-Gymnasium, Ernst-Mach-Gymnasium, Gymnasium Trudering, Carl-Orff-Gymnasium Unterschleißheim, Käthe-Kollwitz-Gymnasium, Luisengymnasium, Luitpold-Gymnasium, Maria-Theresia-Gymnasium, Novalis-Gymnasium, St.-Anna-Gymnasium, Theodolinden-Gymnasium, Theresiengymnasium, Albert-Stifter-Realschule, Erich-Kästner-Realschule, Realschule Gauting, Mittelschule Anton-Günther-Straße, Mittelschule Oberhaching, Städtische Berufsschule für Medienberufe; Würzburg – Wirsberg-Gymnasium, Röntgen-Gymnasium, Wolfsskeel-Realschule, Eichendorff-Grundschule (Gerbrunn), Eichendorff-Mittelschule (Gerbrunn).
Veranstalter
Partner
Internationales Filmwochenende Würzburg
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